Nachbesprechnung


VERKÜNDIGUNG DER FROHEN BOTSCHAFT

Bachs „Weihnachtsoratorium“ in der Auferstehungskirche

Jede Gemeinde, die kirchenmusikalisch etwas auf sich hält, strebt danach, in der Vorweihnachtszeit Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium zu Gehör zu bringen. In der Auferstehungskirche stellte sich die Kantorei unter der Leitung von Stefanie Westerteicher der Herausforderung, das komplette Werk aufzuführen. Die einzelnen Teile erklangen mit Frische und Lebendigkeit,

Die Kantorei war gut vorbereitet Die prachtvollen Ecksätze erstrahlten transparent und kraftvoll zugleich. Auch polyphone Teile bereiteten den Sängern keine Schwierigkeiten. Die Stimmgruppen blieben jedoch nicht immer homogen, die Aussprache nicht immer einheitlich markant. Besonders zu erwähnen ist der strahlende ein einheitliche Klang der Sopranstimmen.

Das Sinfonieorchester an Matthäi Düsseldorf zeigte sich als sicheres Instrumentalensemble, in dem sich auch die Soloinstrumente durch inniges Zusammenspiel mit den Sängern profilierten.
Besonders zu erwähnen sind die Blechbläser, die durch ihre Perfektion nachdrückliche Akzente setzten. Mit der Wahl der Solisten bewies Westerteicher, die die Aufführung mit Elan lenkte, eine sichere Hand.

Jud Perry kam als Evangelist ein Löwenanteil des Werkes zu. Seine Stimme ist biegsam, schlank und wandlungsfähig. In der Arie „Frohe Hirten“ ließ er, trotz überzogenem Tempo, die nicht enden wollenden Melismen fließen. Spitzentöne vermochte er ebenso zart anzutupfen wie kraftvoll zu markieren.

An diesem Abend besonders zu erwähnen die Altistin Schirin Partowi: sie sang mit großer klarer Stimme wandlungsfähig und ausgewogen. Selten hört man die Arie „Schlafe“ mit solch einer inneren Hingabe.

Thilo Dahlmann (Bass) bewies erneut seine große Souveränität und vokale Kultiviertheit während die Sopranistin Judith Hoffmann zwar ihre Partie beherrschte, aber eine Spur freier und gelöster singen müsste. Man dankte Stefanie Westerteicher und allen Mitwirkenden mit anhaltendem Beifall:

Die Einheit von Wort und Musik wurde zur lebendigen Verkündigung der frohen Botschaft über die Geburt unseres Erlösers.

Hans-Joachim Meyer-Pohrt
www.meyer-pohrt.de
 


Bachs Matthäus-Passion dramatisch zupackend

Johann Sebastian Bachs Passionsoratorien sind Höhepunkte einer langen Geschichte musikalischer Darstellung vom Kreuzestod Jesus von Nazareth. In ihnen vereint der Komponist alle Mittel aus Kantate, Oratorium und Oper, die damals zur Verfügung standen. Wegen seiner seelisch unmittelbar erschütternden Wirkung zählt die Matthäus-Passion zu den herausragenden Dokumenten des musikalischen Kulturerbes.

Die Aufführung (22.03.2009) in der Erlöserkirche mit dem Kinderchor, der Jungen Kantorei, der Kantorei der Auferstehungskirche und dem Sinfonischem Orchester Düsseldorf unter der Leitung von Stefanie Westerteicher wurde dieser Aussage gerecht:

Westerteicher nähert sich diesem Werk dramatisch zupackend, sie sorgt für strenge Geschlossenheit, einen gewaltigen Spannungsbogen und in den dramatischen Stellen für atemlose Spannung. Da sucht einer nicht große Effekte, sondern musikalische Wahrheit.

Die Chöre der Auferstehungskirche leisteten Imponierendes: Klare Linien, Transparenz, Ausgewogenheit (Chor 1, Chor 2), dynamische Beweglichkeit. Welche großartigen Momente gelingen Westerteicher etwa bei der Gefangennahme Jesu im „Sind Blitze, sind Donner“. Aufregend schöne Klangbilder! Packende Unmittelbarkeit in der Gestaltung die der Tenor Thomas Heyer seinem Evangelisten als dem tragenden Solo-Part zukommen ließ: beweglich, wortdeutlich. Mit angenehmem Timbre deutete er die Texte aus, Tempi und Modi geschmeidig wechselnd. In den Tenor-Arien fehlte es Heyer jedoch an stimmlicher Kraft den Raum zu füllen. Thilo Dahlmann gestaltete die Jesusworte makellos in der Diktion und verhalten expressiv mit jugendlichem Basstimbre. Berührend fügten sich wunderbar kontrastierend die Solostimmen von Thomas Peter (Bass), Judith Hoffmann (Sopran) und Melinda Paulsen (Alt) in die Klangarchitektur.

Die hohe Spielkultur beider Orchester wurde unterstrichen durch die herausragenden Leistungen der Instrumentalsolisten in den obligat begleitenden Arien, etwa den klangschön spielenden Bläsern, den präzisen Violinen, der Gambe und nicht zuletzt dem Continuo - Team.

Eine Aufführung, die die Kraft von Bachs Musik entfaltete und einen würdigen Akzent im Musikleben der Stadt Essen zu setzen vermochte.

Hans-Joachim Meyer-Pohrt
 


Elias als Wundertäter

Dramatik und Spannung bei der Aufführung in der Neuen Pauluskirche

Das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy wurde am 29.04.2007 in der Neuen Pauluskirche von der Jugendkantorei und der Kantorei der Auferstehungskirche unter der Leitung von Stefanie Westerteicher aufgeführt.

Diese Aufführung war ein Kunsterlebnis auf hohem Niveau: vom ersten bis zum letzten Ton wurden wir mit Spannung in die große musikalische Konzeption des Oratoriums geführt, die weit über eine Interpretation des theologisch eng begrenzten Gedankengutes hinauswächst.

Die Chöre sangen als die eigentlichen Hauptdarsteller (Volksmenge, Erzähler, Kommentator) mit Vehemenz und Gespür für innere Dramatik. Beeindruckend die stimmliche Leuchtkraft, die präzise Artikulation, die Mühelosigkeit, mit der die Sänger (darunter auch Kinder des Kinderchores)

im guten Einklang mit dem Sinfonisches Orchester Düsseldorf musizierten.

Die solistischen Partien waren hervorragend besetzt. Thomas Peter gab der Gestalt des Elias herbe, kraftvolle Konturen, aber auch auf ergreifende Art die Züge von Resignation: Elias als der Wundertäter, der den Regen vom Himmel auf das ausgedorrte Land hinab zwingt, als Kämpfer, der über den Götzendienst des Baal triumphiert, als der Zweifler.

Vorzüglich in der deklamatorischen Genauigkeit der Tenor Wolfram Wittekind in der Rolle des Obadjah und des Ahab, beeindruckend durch Leuchtkraft der Sopran Judith Hoffmann: eindringlich, mitunter geradezu explosiv im Ausdruck, dabei aber nie forciert und betörend schön in allen Registern.

Auch der Altistin Gudrun Pelker gelang eine ähnliche Intensität der Gestaltung.

Der nicht enden wollende Applaus gab dem Zuhörer die Möglichkeit, allen Mitwirkenden für die Leistung zu danken.

Hans-Jo. Meyer-Pohrt
 

 

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